Kinostreifzug: Vom Beginn neuer Zivilisationen
Kinostreifzug: Familienangelegenheiten auf stets engstem Raum – mal als Drama, mal als elegante Dystopie und auch einmal als starbesetzte Gangsterkomödie.
Lesedauer: ca. 2min 54sec
„The Assessment“: In einer abgeschotteten Welt. GB-Foto: Capelight Pictures
Eden
Ein Inselleben imaginiert man sich gemeinhin gerne als paradiesisch. Abenteuerlich aber war ganz gewiss, was in den 1930er Jahren deutsche Auswanderer auf der zu Galapagos gehörenden Insel Floreana erlebten – und was später sowohl in Literatur (Georges Simenon), Theater und Film unter dem Stichwort „Die Galapagos-Affäre“ nacherzählt wurde. Dies tut nun auch in packend-unterhaltsamer Weise Hollywood-Regisseur Ron Howard („Apollo 13“) in Form eines True-Crime-Thrillers. Mit dabei ist erneut Daniel Brühl, der für Howard in „Rush – Alles für den Sieg“ als Niki Lauda rasante Runden drehte. Brühl spielt Heinz Wittmer, der mit Frau (Sydney Sweeney) und Sohn als zweiter Siedler auf die bislang nur vom Arzt und Philosoph Dr. Ritter und seiner Lebensgefährtin Dora Strauch (Jude Law, Vanessa Kirby) bewohnte Insel kommt. Für Spannungen sorgt dann die Ankunft einer dritten Gruppe um eine hochstaplerische Baronesse (Bond-Lady Ana De Armas), die hier im Nirgendwo ein Luxushotel errichten möchte. Wie sich Eitelkeiten, Manipulation und menschliche Habgier im Verlauf zuspitzen, das poröse Miteinander der Inselgemeinschaft zu zerbrechen droht und sich die Ereignisse überschlagen – das ist einerseits bedenklich und beklemmend, andererseits weiß Ron Howard aber eben auch, wie man so einen Stoff packend erzählen muss (129 Minuten, ab 16 Jahre; Böblingen Bären, Sindelfingen, Tübingen Blaue Brücke).
Survivaldrama auf einer paradiesischen Insel, das historisch verbürgt ist und von der Schwierigkeit guter Nachbarschaft erzählt.
The Assessment
Die Hölle auf Erden haben die Menschen in dieser stylischen Dystopie bereits hinter sich. Nach der Klimakatastrophe leben sie abgeschottet in einer neuen Welt, in der KI schon ein gewaltiges Wörtchen mitzureden hat – in der allerdings Neugeburten staatlich kontrolliert werden. Elisabeth Olsen und Himesh Patel spielen ein Ehepaar, dass sich vor dem Kinderglück einer strengen Prüfung unterziehen muss. Zu diesem Zweck zieht eine emotionslose und spaßbefreite Gutachterin (Alicia Vikander) ins Haus des Paares ein, um im Verlauf einer Woche dessen Tauglichkeit als Eltern zu prüfen und wie diese sich in besonderen Situationen verhalten. Ihr Name Virginia ist von Regiedebütantin Fleur Fortune nicht von ungefähr so gewählt. Mal tut sie so, als sei sie ein nörgeliges Kleinkind, mal spielt sie die Verführerin. Faszinierend an dieser Versuchsanordnung ist, wie immer wieder zwischen surrealen Situationen und echten Empfindungen hin- und hergesprungen wird und wie der Gegensatz von cleaner und moderner Ausstattung zu zerklüfteter Außenkulisse (gedreht wurde an der Küste von Teneriffa) auf den Spagat zwischen Designwelt versus Urlandschaft verweist (114 Minuten, ab 16 Jahre; Tübingen Blaue Brücke).
Elegante und schön designte Dystopie über einer abgeschottete Welt, in der Kinderwünsche staatlich erst abgesegnet werden müssen.
Riff Raff/Verbrechen ist Familiensache
Die Starbesetzung lässt aufhorchen: Bill Murray, Ed Harris und Jennifer Coolidge gemeinsam in einer Gangsterkomödie, in der sich verzwickte Familienverhältnisse und zurückliegende Verbindungen offenbaren und in eine Rachegeschichte münden. Die geht verkürzt in etwa so: Der erwachsene, nicht ganz helle Sohn des zu Wohlstand gekommenen Ex-Kriminellen Vincent (Harris) hat unfreiwillig den Tod des Sohnes von Ex-Partner und Noch-Mafia-Boss Leftie (Murray) zu verantworten. Mit seiner schwangeren Gefährtin flüchtet er deshalb zu seinem Vater. Mit im Schlepptau hat er dessen zugedröhnte Ex (Coolidge). Für alle Beteiligten kommt’s zu einem ungeplanten und nicht vorhersehbaren Silvestertreffen, geschildert aus Sicht von DJ (Miley J. Harvey), dem unbescholtenen Sohn von Vincent aus zweiter Ehe. Coolidge fordert ihre berühmten Kollegen schauspielerisch heraus, wirft sich bei diesem ungeplanten Familientreffen jedem Mann an den Hals und haut Sprüche raus, die sich gewaschen haben (103 Minuten, ab 16 Jahre; Sindelfingen (nur Freitag/Samstag).
Ed Harris und Bill Murray stehen im Mittelpunkt dieser tarantinoesken Gangstercomedy mit einer Vielzahl weiterer höchst origineller Charaktere.